Sie wissen was belastet – Studie mit 1.100 Ärzt:innen
Viele Menschen fragen sich, wie sie am Ende ihres Lebens behandelt werden möchten – ob mit allen medizinischen Möglichkeiten oder eher in Ruhe und ohne belastende Eingriffe. Besonders spannend ist: Was wünschen sich eigentlich Ärztinnen und Ärzte für ihr eigenes Lebensende? Sie erleben täglich das Sterben anderer und wissen genau, welche Maßnahmen hilfreich oder belastend sein können.
Eine große internationale Befragung von über 1.100 Ärztinnen und Ärzten aus Europa, Nordamerika und Australien hat diese Frage untersucht. Die Ergebnisse geben Einblicke, die für schwer kranke Menschen und ihre Angehörigen sehr hilfreich sein können.
Lebensverlängernde Maßnahmen: Fast niemand will sie für sich selbst

Die Studie zeigt sehr deutlich: Wiederbelebung, künstliche Beatmung oder Magensonden möchten die allermeisten Ärztinnen und Ärzte am Lebensende nicht für sich selbst.
- Nur 0,5 % würden im Krebsstadium eine Wiederbelebung wollen, bei Alzheimer sogar nur 0,2 %.
- Künstliche Beatmung oder Ernährung über Schläuche lehnen fast alle ab.
Das bedeutet: Ärztinnen und Ärzte sehen diese Maßnahmen in der Endphase einer unheilbaren Krankheit meist nicht als hilfreich, sondern eher als belastend.
Symptomlinderung: Fast alle wollen Schmerzfreiheit
Über 90 % der Befragten gaben an, dass sie sich eine intensive Behandlung gegen Schmerzen und Unruhe wünschen – selbst dann, wenn diese Medikamente das Leben verkürzen könnten.
Auch palliative Sedierung (ein bewusstes Schlafversetzen bis zum Tod) wird von etwa der Hälfte bis zwei Dritteln der Ärzte als gute Möglichkeit angesehen.
Sterbehilfe: Etwa die Hälfte würde sie für sich selbst erwägen
Ein überraschendes Ergebnis: Rund die Hälfte aller Ärztinnen und Ärzte fände es für sich selbst gut, im Falle schwerer Krankheit Sterbehilfe in Anspruch nehmen zu können.
- In Ländern, in denen Sterbehilfe erlaubt ist (z. B. Belgien, Kanada, Australien/Victoria), ist die Zustimmung noch deutlich höher (bis zu 80 %).
- In strengeren Ländern (z. B. Italien, US-Bundesstaat Georgia) liegt sie bei etwa 35–40 %.
Auch beim Szenario Alzheimer wollten viele Ärztinnen und Ärzte diese Option – obwohl das in den meisten Ländern rechtlich gar nicht möglich ist.
Welche Faktoren spielen eine Rolle?
- Palliativmediziner setzen eher auf Schmerztherapie und Sedierung, weniger auf aktive Sterbehilfe.
- Nicht-religiöse Ärzte sind deutlich offener für Sterbehilfe (über 70 %) als religiöse Kolleginnen und Kollegen (ca. 40 %).
- Junge oder ältere Ärzte unterscheiden sich kaum – Alter und Geschlecht spielen fast keine Rolle.
Was bedeutet das für Patientinnen, Patienten und Angehörige?
- Lebensverlängerung um jeden Preis ist selten sinnvoll. Selbst Ärzte würden für sich solche Maßnahmen kaum wählen.
- Schmerzlinderung und Würde stehen im Vordergrund. Fast alle wünschen sich ein Sterben ohne Leiden.
- Sterbehilfe wird breit befürwortet. Auch wenn sie nicht überall legal ist, zeigt die Haltung der Ärzte, dass viele den Wunsch nach einem selbstbestimmten Ende verstehen.
Fazit
Die Untersuchung zeigt: Ärztinnen und Ärzte wünschen sich für ihr eigenes Lebensende vor allem Ruhe, Würde und Freiheit von Schmerzen, nicht aber Apparatemedizin. Viele befürworten auch die Möglichkeit einer Suizidassistenz.
Für schwer kranke Menschen und ihre Angehörigen ist das ein starkes Signal: Es lohnt sich, rechtzeitig über die eigenen Wünsche zu sprechen und Vorsorge zu treffen – sei es durch eine Patientenverfügung oder durch offene Gespräche mit Familie und Ärzten.

