Zeitlichkeiten am Lebensende: Selbstbestimmtes Sterben versus Ruf aus dem Jenseits

Ob selbstbestimmter Abschied oder Ruf aus dem Jenseits: Time to say goodbye

Mit der frisch erschienenen Ausgabe Nr. 46 des Zeitpolitischen Magazins der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik (DGfZP) rückt ein Thema ins Zentrum, das oft verdrängt wird, aber jeden betrifft: die Zeitlichkeiten am Lebensende. Die Ausgabe dokumentiert die gleichnamige Jahrestagung 2024, die vom 25. – 26. Oktober 2024 an der Evangelischen Hochschule Darmstadt stattfand und eine breite Palette an Perspektiven auf Sterben, Tod und Trauer eröffnete.

Ursula Bonnekoh sprach bei der Tagung in ihrem Vortrag Zeiten des Endes:
Selbstbestimmtes Sterben versus Ruf aus dem Je
nseitsüber das Recht auf Selbstbestimmung am Lebensende

Rechtlicher Paradigmenwechsel: Bonnekoh analysiert das bahnbrechende Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 26. Februar 2020, das das Verbot der geschäftsmäßigen Suizidhilfe (§ 217 StGB) für verfassungswidrig erklärte. Damit hat das Gericht das Recht auf selbstbestimmtes Sterben gestärkt – ein Meilenstein in der deutschen Rechtsgeschichte. Jeder Mensch hat das Recht, selbst über sein Lebensende zu entscheiden.

Selbstbestimmung vs. Natürlichkeit: Während der „Ruf aus dem Jenseits“ für den natürlichen, oft unvorhersehbaren Tod steht, symbolisiert der assistierte Freitod die bewusste Entscheidung über das Lebensende. Bonnekoh stellt diese beiden Konzepte gegenüber und fragt, was sie über unser Menschenbild aussagen.

Internationale Vergleiche: Der Artikel wirft auch einen Blick auf andere Länder wie die Niederlande, Kanada oder Neuseeland, in denen Sterbehilfe erlaubt ist. Dort besteht die Möglichkeit nur unter engen medizinischen Voraussetzungen. Dagegen basiert in Deutschland die Erlaubnis auf dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht und der Menschenwürde.

Sie kannten Tag und Stunde:
In den bewegenden Geschichten von fünf Menschen wird deutlich, warum sie sich für einen begleiteten Freitod entschieden haben. Sie wählten bewusst den Zeitpunkt ihres Todes. Das taten sie aus ganz unterschiedlichen persönlichen, gesundheitlichen und altersbedingten Gründen. Ihre Erfahrungen zeigen, wie vielfältig die Wege zu einem würdevollen Lebensende sein können.